Allergien und Unverträglichkeiten (Teil 2) Mikroskop

Nahrungsmittelunverträglichkeiten –
Willkommen im Dschungel (Teil 2)

Im vorherigen Blogartikel dieser Serie haben wir uns in erster Linie damit beschäftigt, was, wie viel und wie wir essen. Damit haben wir die Basis geschaffen um zu erklären, wie und warum es zur Entstehung von Sensibilisierungen, Allergien und Unverträglichkeiten kommt.

Was aber tun, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist? Dem Krisenmanagement und der Problembehebung wollen wir uns nun widmen.

Die Überschrift dieser Serie heißt „Lebensmittelunverträglichkeiten – Willkommen im Dschungel“.
Die Betroffenen wissen sicherlich, wovon die Rede ist.

Hierzu muss man wissen, dass unser Immunsystem verschiedene Möglichkeiten hat, um auf mögliche Allergene zu reagieren. In der Allgemeinmedizin wird in den meisten Fällen jedoch nur auf die so genannte „Sofort-Reaktion“, der Allergie vom Typ I getestet. Finden sich hier im Blut oder noch unspezifischer, auf der Haut, keine Reaktionen, steht man meist recht alleingelassen da, und die Odyssee beginnt.

Die Grundprogrammierung, was unsere Lebensmittel betrifft, findet im Darm statt. Falls Sie den Artikel dazu noch nicht gelesen haben sollten, finden Sie diesen hier unter diesem Link.

Sind nun eindeutige Reaktionen auf Lebensmittel zu verzeichnen oder steht der dringende Verdacht im Raum, könnte ein diagnostisches Vorgehen ganzheitlich so aussehen:

  • Ernährung beobachten und gegebenenfalls ein Tagebuch führen
  • Ausführliche Anamnese mit einem/einer ganzheitlichen Therapeut/in führen
  • Stuhldiagnostik in Auftrag geben zur Bestimmung der Darmflora und des Immunstatus
  • Weiterführende Blutdiagnostik:
    • IgE-Screening bei dem Verdacht auf eine Allergie / Sofort-Reaktionen
    • IgG-Screening bei dem Verdacht auf Unverträglichkeiten / zeitverzögerten und unklaren Reaktionen, alternativ Lymphozyten-Transformations-Test
    • Histaminintoleranz ausschließen
    • Fruktose- und/oder Laktose-Malabsorptionen ausschließen

Die Ernährung beobachten

Bei Allergien lassen sich oft und schnell die Zusammenhänge zu bestimmten Nahrungsmitteln oder Zusatzstoffen herausfinden. Das ist im Anamnese-Gespräch immer hilfreich. 

Aber auch unspezifische Reaktionen, wie die Verschlechterung der Haut am Folgetag, Müdigkeit einige Stunden nach gewissen Mahlzeiten usw. können wichtige Hinweise sein, um einen Verdacht zu erhärten.

Die ausführliche Anamnese bei einem ganzheitlichen Therapeuten

Den meisten ganzheitlichen Therapeutinnen und Therapeuten wird die Wichtigkeit des Darmes und der Ernährung geläufig sein, so dass hier zielgerichtete Fragen an den Patienten gestellt werden können, ergänzend zu den eigenen Beobachtungen.

Die Stuhldiagnostik

Wie bereits im Darmartikel erläutert, findet hier die grundlegende Programmierung des Immunsystems statt, vor allem was Nahrungsmittel angeht. Somit ist dies eine absolute Basisdiagnostik bei der Fragestellung nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Leider ist die Stuhldiagnostik immer noch nicht in der alltäglichen Medizin angekommen. Fragen Sie also gezielt danach.

Die Blutdiagnostik

IgE-Screening

Wie beschrieben stellt man mit dem Messen von spezifischen IgE-Antikörpern (z.B. Weizen, Karotte usw.) eine Allergie vom Sofort-Typ fest. Je nach Stärke der Allergie benötigt es keine Labordiagnostik mehr, da das Kratzen im Hals, das Tränen der Augen oder der Ausschlag auf der Haut nur wenige Sekunden bis Minuten auf sich warten lassen.
Bei diesem Reaktionsweg hat unser Immunsystem ein sehr langes Gedächtnis, sodass – gerade bei starken Reaktionen – nur das lebenslange Meiden des Allergens übrig bleibt.
Bei leichteren Reaktionen bilden sich die Antikörper durch einen konsequenten Verzicht und eine ganzheitliche Therapie oft wieder zurück.

IgG-Screening

Das, was den Patienten und Diagnostikern viel mehr zu schaffen macht, sind die unspezifischen Reaktionen der Unverträglichkeiten. Mal ist die Haut besser, mal ist sie schlechter. Mal ist der Blutdruck stark schwankend, mal wieder relativ stabil. Mal schmerzen die Gelenke mehr, mal weniger, aber ein definitiver Zusammenhang zu bestimmten Lebensmitteln ist in der Anamnese und bei der Selbstbeobachtung meist nicht zu finden.
Zeigen sich bestimmte Hinweise bereits in der Darmdiagnostik, so hilft oft nur die Laboruntersuchung, um Klarheit zu bekommen. Der IgG-Test ist nicht ganz unumstritten. Die Befürworter schwören auf den Nutzen bei der täglichen Arbeit. Die Kritiker postulieren, dass die IgG-Reaktion lediglich ein „normales“ Funktionieren des Immunsystems auf häufig zugeführte Nahrungsmittel anzeigen würde und man nicht automatisch auf eine Unverträglichkeit schließen könne.
Die Erfahrung zeigt, dass bei Ergebnissen in niedrigen Reaktionsklassen (Diese werden von 0 bis 4, bei manchen Laboren auch von 0 bis 5 eingeteilt), in der Tat nicht von starken Unverträglichkeiten ausgegangen werden kann. Ab Reaktionsklasse 3 sollte man die auffälligen Nahrungsmittel nicht öfter als einmal pro Woche zu sich nehmen, bei Reaktionsklasse 4 (und ggf. 5) ist das Allergen mindestens 3 Monate, besser länger strikt zu meiden und parallel der Darm zu behandeln. Auch danach sollten die auffälligen Nahrungsmittel nicht wieder im täglichen Verzehr landen. Man sollte versuchen, diese Nahrungsmittel nicht öfter als ein- bis dreimal pro Woche zu sich zu nehmen. 

Alternativ zu dem IgG-Test gibt es über immunologische Speziallabore den so genannten LTT, den Lymphozyten-Transformations-Test.
Während der IgG-Test „nur“ anzeigt, dass Gedächtniszellen gegen Nahrungsmittel gebildet wurden, aber nur wenig Aussage über die aktuelle immunologische Belastung des Immunsystems durch dieses Nahrungsmittel zulassen, zeigt der LTT die momentan tatsächliche Reaktionslage der Lymphzellen gegenüber den Nahrungsmitteln an. 

Diese Spezialdiagnostik ist allerdings schon recht kostenintensiv, und der LTT ist in der Regel nochmal mindestens doppelt so teuer wie der IgG-Test.

Histaminintoleranzen

Bei vielen Patienten, die auf Nahrungsmittel reagieren, zeigen sich neben den spezifischen Unverträglichkeiten auch noch andere Begleitsymptome, wie die Histaminintoleranz.

In der Dünndarmschleimhaut wird das Enzym Diaminooxidase (DAO) gebildet, das Histamin aus der Nahrung aufspaltet. Wird nicht genügend von diesem Enzym gebildet, gelangt zu viel Histamin in die Blutbahn, was zu verschiedenen Symptomen wie Hitzewallungen, Flash, Missempfindungen etc. führen kann. Auslöser sind hier gerne die histaminhaltigen Nahrungsmittel wie Käse (vor allem lang gereifte Sorten, wie Parmesan) und Rotwein beziehungsweise Alkohole generell. 

Hier hilft erst einmal eine Blutuntersuchung, in der der Gehalt an DAO bestimmt wird. Als nächstes sind zunächst histaminreiche Nahrungsmittel zu meiden und parallel der Darm zu sanieren. Einige Histaminintoleranzen sind deutlich bis ganz rückgängig zu machen.

Laktose- und Fruktose-Intoleranzen

Hier ist es wichtig, eine Unverträglichkeit von den Intoleranzen und Malabsorptionen zu unterscheiden.
Bei den Allergien und Unverträglichkeiten kommt es zu einer spezifischen Immunantwort auf ein bestimmtes Nahrungsmittel. Bei den Intoleranzen handelt es sich hingegen nicht um ein immunologisches Geschehen, sondern eher um ein Verdauungsproblem. So wie bei der Histaminintoleranz das Enzym DAO fehlt, so fehlen bei Laktose- und Fruktose-Unverträglichkeiten ebenfalls bestimmte Enzyme oder der Transportmechanismus zur Aufnahme der Zuckermoleküle im Darm ist gestört.

Als es die modernen Messverfahren noch nicht gab, war es nachvollziehbar, dass man die Milch als Übeltäter identifizierte, wenn Personen nach dem Verzehr von beispielsweise Milch Bauchweh und Durchfall bekamen.

Eine genetische Intoleranz kann mittels Bluttest festgestellt werden, allerdings sind viele Intoleranzen erworben. Das Mittel der Wahl ist ein so genannter Wasserstoff-Atemtest. Der Test stellt einen Provokationstest dar.
Es wird die Menge an Wasserstoff gemessen, die in der Ausatemluft vorliegt. Daraufhin wird eine definierte Menge der zu testenden Substanz (zum Beispiel Laktose) verabreicht und in bestimmten Zeitabständen wieder die Ausatemluft gemessen. Bleiben die Werte niedrig, liegt keine Intoleranz gegen die Testsubstanz vor. Steigt der Wert immer weiter deutlich an, ist das ein sicherer Hinweis, dass die Laktose im Dünndarm nicht gespalten wird, daraufhin weiter bis in tiefere Darmabschnitte gelangt und von den dort wartenden Bakterien zersetzt wird. Dabei entstehen durchaus beeindruckende Mengen an Wasserstoff, die unter anderem in die Blutbahn gehen und über die Lunge abgeatmet werden.

Das Fazit

Wenn wir den ganzen Themenbereich noch einmal Revue passieren lassen, erscheint der Titel „Willkommen im Dschungel“ mehr als gerechtfertigt. Viele Betroffene haben eine jahrelange Odyssee hinter sich, bevor der Darm und die Nahrungsmittel genau diagnostiziert werden.

Mit dieser Blog-Serie wollen wir natürlich primär nicht verunsichern, sondern viel mehr Mut machen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Wir haben zu Beginn gesehen, dass die Work-Life-Balance ein entscheidender Faktor ist, wie unser Immunsystem beeinflusst wird. Weiterhin liegt es an uns, ob wir schnell zwischendurch essen oder Essensrituale etablieren und vom reinen Ernähren wieder hin zum Genießen kommen. Auch haben wir in der Hand, welche Nahrungsmittel wir kaufen und wo wir sie einkaufen. Je mehr wir in diesen Bereichen aktiv richtig machen, umso größer ist auch die Chance, einen gesunden Darm und ein gesundes Immunsystem zu haben. Regelmäßige Kuren für den Darm, wie beispielsweise eine Kombination aus der Darmsanierung und des Makro-Immun Komplexes, und eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen, die Sie auf einfache Weise zum Beispiel mithilfe des Ballaststoff Vital Komplex erreichen, können hilfreich sein, um den Lebenswandel erfolgreich zu unterstützen.


Michael Schlimpen
Heilpraktiker


Über den Autor:

Michael Schlimpen ist ein erfahrener Heilpraktiker und betreibt seit über 15 Jahren eine Vollzeitpraxis in Kelberg. Seine frühere Tätigkeit im Rettungsdienst ermöglicht es ihm, schulmedizinisches Wissen in seiner Praxis mit den traditionellen Diagnose- und Therapieverfahren zu vereinen. Schon als Kind wurde er „Kräutermichel“ genannt, sodass er sich schwerpunktmäßig der Kräuterheilkunde verschrieben hat. Weitere Schwerpunkte seiner Praxis sind:

  • Labordiagnostik
  • Gerätegestützte Funktionsdiagnostik
  • Heilpflanzenkunde und Spagyrik
  • Orthomolekulare Medizin
  • Infusionstherapien

Des Weiteren ist er Mitglied im Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) e. V. und verfasst regelmäßig Artikel für Fachzeitschriften der Naturheilkunde und Komplementärmedizin.